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Seidel Architekten Holz Waschstraße-Einzelhandelszentrum 6

Holz Autowasch-Betriebs GmbH, Waschstraße Senden

Gutachterwettbewerb

Projektbeschreibung

Entwurfsidee | Städtebau

Das Baugrundstück grenzt im Nordosten an die B 28, im Süden an das bestehende Gewerbegebiet und im Westen an die 6–7m höher gelegene Kemptener Straße an. Die städtebauliche Situation ist geprägt durch ein heterogenes Umfeld mit gewerblichen Gebäuden im Süden. Diese städtebauliche Situation erfordert eine Neuorientierung und Gliederung des Baugrundstücks der Fa. Holz mit einer klar definierten städtebaulichen Kante an seiner Südseite. Um zu einem stimmigen Lösungsansatz zu kommen, wurden mehrere funktionale Varianten untersucht.

Diese verschiedenen Möglichkeiten führen zu unterschiedlichen funktionalen Vor- und Nachteilen, wobei die Stellung der Tankstelle an der Süd-Ost-Ecke des Grundstücks in allen Fällen als richtig angesehen wurde. Da ein Abriss und eine Neubebauung aber einen erheblichen Kostenfaktor bedeuten, entstand schlussendlich die Variante, welches den Bestand erhalten kann, allerdings mit der Maßgabe diesen Gebäudeteil gestalterisch aufzuwerten und in das gesamte Konzept zu integrieren.

Die gewählte Gesamtlösung ergibt sich demnach so, dass Waschstraße, Tankstelle und Bestandgebäude eine Einheit bilden und sich nach außen als städtebaulich überzeugende Gesamtlösung präsentiert. Das Einkaufszentrum rutscht dem gemäß nach Norden und es ergibt sich daraus eine reizvolle und attraktive innenräumliche Gestaltung. Die leichten, schwebend wirkenden Dächer unterstützen die Wirkung des „LHS-Turmes" und verstärken die Fernwirkung der „neuen Adresse". Die großen Dächer definieren die gesamte Anlage, bieten Schutz vor Witterungseinflüssen und lassen die Bereiche Waschen + Tanken sowie Einzelhandel/„Multi-Service-Center" klar erkennen. Durch die Anordnung der Bauteile zueinander entsteht ein attraktives Zentrum. Die großen Dächer tragen der Forderung nach einem multifunktionalen Bauwerk in geeigneter Weise Rechnung. Unter den Dächern können jederzeit andere Nutzungen mit den entsprechenden Baukörpern untergebracht werden. Das bestehende Gebäude wird erhalten und in das neue Konzept eingebunden. Tankstellenshop und Getränkemarkt werden im Erdgeschoss integriert. Das Obergeschoss könnte seine Funktion erhalten oder aber wie im Plan dargestellt als Gastronomiefläche umgenutzt werden. Durch die Anordnung der Gebäude entsteht ein eigenes Zentrum, welches sich qualitativ deutlich vom bestehenden Gewerbegebiet abhebt und außerordentlich kundenfreundlich sein wird. Die Dachlandschaft ergibt eine optimale Einsehbarkeit und Wirkung auch von den ca. 7m höher liegenden Straßen, da man vom vorbeifahrenden PKW weitgehend unter die Dächer blickt und die Anlage bewusst wahrnehmen kann. Die Situation, dass – von dort aus gesehen – das Baugrundstück „im Loch" liegt, kann somit vermieden werden. 

 

Ausrichtung | Lage

Es wurde untersucht ob es sinnvoll ist, die Staubsaugerplätze ins Obergeschoss über die Waschstraße zu platzieren, aber aus verschiedenen Gründen wieder verworfen. Staubsaugerplätze im Obergeschoss hätten unerwünschte Kreiselrampen oder lange, gerade Rampen erfordert, welche die Einsehbarkeit der Waschanlage selbst behindert hätten und zudem die Gesamtwirkung des Waschanlagengebäudes negativ beeinflusst hätten. Die Waschanlage liegt von allen Seiten und Zufahrten gut sichtbar parallel zur Berliner Straße und bildet die oben erwähnte städtebauliche Kante zum bestehenden Gewerbegebiet. Die Anordnung der Gebäude ist so gewählt, dass der „LHS-Turm" als Zentrum der Anlage wirkt. Somit ergibt sich ein definierter Außenraum, welcher der Anlage einen hochwertigen Charakter gibt. 

 

Erschließung

Die neue Anlage erhält zwei großzügige Ein- und Ausfahrten auf das Gelände, welche so orientiert sind, dass ein optimaler Verkehrsfluss möglich ist. Die gewählte Erschließung verteilt die Nutzer aus dem Zentrum heraus in die einzelnen Nutzungseinheiten waschen, tanken (mit Getränkemarkt) sowie zum „Multi-Service-Center". Sowohl bei der Anfahrt, als auch bei der Abfahrt von einer der Nutzungseinheiten wird der Kunde immer auch an den anderen Nutzungen gezielt über das Zentrum vorbeigeführt. Lediglich der Anlieferungsverkehr für das „Multi-Service-Center" wird extern über die am westlichen und nördlichen Rand gelegene Anlieferungszufahrt und -ausfahrt geleitet. Dies ergibt unter anderem den Vorteil der „Entzerrung" von Anlieferung- und Kundenverkehr.

 

Verkehrstechnische Erschließung:
Wie in den Plänen dargestellt, wurden die verkehrlichen Abläufe von und zur Waschstraße sowie Staubsaugeranlagen und Waschboxen untersucht und in der Form optimiert, dass zwei Wartespuren zur Waschanlage entstehen und die Anfahrt zu den Staubsaugern optimal geführt ist, wobei ein separates Einscheren zu den Staubsaugern über eine eigene Einfahrt möglich ist. Dadurch entstanden an der Berliner Straße die Staubsaugerplätze und dem Platz zugewandt die Waschboxen, welche separat angefahren werden können. Alle PKWs werden dann wieder gezielt über den zentralen Platz geführt, um den Kunden zu weiteren Einkäufen anzuregen. 

 

Da die Forderung besteht, auf dem Grundstück 300 Stellplätze unterzubringen, wäre der zentrale Bereich zwischen den einzelnen Nutzungen vollständig als Parkfläche erforderlich. Um die Attraktivität der Gesamtanlage zu erhöhen – bei gleichzeitig vertretbarem, wirtschaftlichen Aufwand – haben wir uns entschlossen, ein Parkdeck zu entwickeln, welches in der Nullebene und in der Ebene +1 jeweils ca. 125 Stellplätze, gesamt also 250 Stellplätze aufnehmen kann. Erst dadurch ist es möglich, ein attraktives Zentrum zu schaffen. Die restlichen 50 Stellplätze sind auf dem Grundstück verteilt. Durch das Anheben des Parkdecks auf das Obergeschossniveau des „Multi-Service-Centers" sind direkte, barrierefreie Zugänge möglich und die Parkplätze der Nullebene erhalten optimales Tageslicht. 

 

Fassadengestaltung | Materialität

Die Dächer sollen nicht nur durch ihre Form, sondern durch eine metallische Oberfläche hochwertig wirken und der technischen Nutzung entsprechend diese Wirkung auch verstärken. Der Baukörper des „Multi-Service-Centers" besticht durch eine klare Struktur mit Putzfassade und Verglasungen im Erschließungsbereich. Der Baukörper der Waschstraße ist in diesem Ansatz als kompletter Glaskörper („gläserne Fabrik/Showroom") unter das Dach gestellt. Somit ist die Waschanlage vom Zentrum her einsehbar und erlebbar. Das bestehende Gebäude wird den neuen Funktionen entsprechend umgebaut und dem Charakter des neuen „Multi-Service-Centers" in seiner Materialität und optischen Wirkung angepasst. Durch die großzügigen Dächer erhalten die darunterliegenden Bauten eine „natürliche" Verschattung. Die Temperaturschwankungen in den Gebäuden werden stark begrenzt und der Strahlungseintrag reduziert.