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Seidel Architekten Gewerbliche Schulen Kuhberg 7

Gewerbliche Schulen - Am Kuhberg, Ulm

Architekturwettbewerb

Anerkennungspreis

Projektbeschreibung

Städtebau 

Das Schulzentrum am Kuhberg weist Gebäudekonglomerate aus verschiedenen Jahren und Jahrzehnten auf und wird geprägt durch sehr große Höhenunterschiede des Hanggrundstücks. Dadurch sind die 3 Schulen „Robert Bosch", „Ferdinand von Steinbeis" und „Anna Essinger" auf verschiedenen Hangebenen platziert und zudem durch den starken Busch- und Baumbestand derartig eingewachsen, dass eine Orientierung auf dem Grundstück kaum noch möglich ist. Hauptaufgabe einer neuen Ordnung wird es sein dem gesamten Schulcampus nicht nur eine Adresse sondern auch eine Orientierbarkeit wiederzugeben.

Das Hauptgebäude der Robert-Bosch-Schule ist als einziges vom Egginger Weg – also der Haupt-Zufahrtstraße - aus zu sehen und soll künftig die Hauptrichtung einer neuen Struktur vorgeben. Daher ist der nun zu planender Neubau ebenfalls in Nord-Süd Richtung ausgerichtet und könnte künftig durch einen zweiten und dritten Bauabschnitt – wie im Lageplan dargestellt – ergänzt werden und das Ensemble komplettieren. Dadurch ergibt sich eine stimmige Gesamtstruktur bei der die Räume zwischen den neuen Hauptachsen durch den Gebäudebestand ausgefüllt sind. Da das Gelände nicht nur nach Norden, sondern auch von Westen nach Osten stark abfällt, ergeben sich zwischen den einzelnen Schuleingängen deutliche Höhenunterschiede. Dadurch ist eine Ost-West Erschließung derzeit nicht vorhanden bzw. undefiniert und muss durch eine neue „Magistrale" ersetzt werden.

Der Neubau des Schulgebäudes und die etwas abgesetzte neue Mensa bilden künftig das Zentrum des Campus. Eine neue Ost-West Verbindung nördlich der neuen Mensa verbindet sowohl die Ferdinand von Steinbeis- und die Robert-Bosch-Schule als auch die tiefer gelegenen peripheren Gebäude dieser beiden Schulen. Entscheidend für die Orientierbarkeit innerhalb des Grundstücks wird sein, den vorhandenen Baum- und Buschbestand gezielt auszulichten, um einerseits vom Zentrum – nämlich der neuen Mensa – alle Schulgebäude wahrnehmen zu können und anderseits wieder den Blick nach Norden über die Stadt und die freie Landschaft herzustellen. Eine breite Magistrale führt von den Straßenbahn-Haltestellen zum neuen Schulgebäude und zur Mensa, an dieser mit einer großzügigen Landschaftstreppe vorbei und verbindet die höher gelegenen Schulbauten mit den tiefer gelegenen als neue Nord-Süd Achse. Neue Baumpflanzungen ergänzen jeweils die neue Hauptstruktur der Schulgebäude und bilden klar definierte Plätze.

 

Freiraum  

Die geschickte Anordnung der Neubauten schafft spannende und abwechslungsreiche Aufweitungen und Verdichtungen für den Freiraum und zeigt die wichtigen räumlichen Vernetzungen und Verbindungen für Plätze und Freibereiche auf. Das Schulgelände erhält mit den Elementen „Campus" – „Mensaplatz" und - „Landschaftstreppe" eine räumliche Struktur und eigene Identität. Kernelement des Konzeptes ist ein breiter Freiraumkorridor, der sich als zentraler Campus in Nord-Süd Richtung spannt und die Schulen im Süden mit der neuen Straßenbahnhaltestelle verbindet. Durch einen „graphischen Teppich” – einem neuen einheitlichen Bodenbelag, einer feinen Lineatur aus schmalen, farblich changierenden Betonsteinplatten in drei unterschiedlichen Formaten, erhält diese zentrale Hauptachse eine lebhafte und klar erkennbare Identität. In der Baumartenauswahl sowie in der Pflanzordnung wird die Gliederung zwischen „Gebautem” – „freier Landschaft” und Grünverbindung verdeutlicht.

In Reihen angeordnet markieren hochstämmige Straßenbäume die Parkierungsflächen und den Straßenraum. Der hohe Kronenansatz des Platanencaree innerhalb der Campuszone und den Schulhöfen markiert übersichtlich und urban die platzartige Situationen der Pausenbereiche und Eingänge. Durch gezielte Auslichtung der Strauchvegetation und Buschflächen und den Erhalt von wertvollen Einzelbäumen werden neue Raumsequenzen und spannende Blickbeziehungen zur angrenzenden Landschaft und zur Innenstadt wieder ermöglicht. Die kompakte Anordnung aller Stellplätze am Egginger Weg gewährleistet kurze und sichere Wege vom Stellplatz zur Schule sowie ein reibungsloses Abfließen des Verkehrs auch zu Kernzeiten. Somit kann die nord-südlich verlaufende Campusachse sowie die weiteren Hauptwegeverbindungen zu den Schulhöfen und Eingängen zukünftig vom Fahrverkehr freigehalten werden.

Die Straßenbahnhaltestelle sowie die neuen Bushaltestellen am Egginger Weg sind auf die zentrale Campusachse ausgerichtet, und schaffen einen attraktiven Auftakt und Entree zu den Schulen am Kuhberg und einen wichtigen Übergang zu den Sportanlagen im Norden. Im Sinne der neuen Gebäudestruktur werden die differenzierten Freiräume so zu einer gemeinschaftlichen Gesamtanlage verbunden und  zusammengeführt. Damit ergeben sich Chancen für eine funktionale Optimierung, die Neuorganisation des Erschließungssystems, die Aufwertung der einzelnen Schulhofflächen und der Aufbau eines gesamtheitlichen Freiraumsystems mit einer belebten Mitte.

 

Erschließung und Gebäudestruktur  

Das Schulgebäude ist als Zweispänner mit einer Mittelzone vorgesehen und bildet den neuen Anlaufpunkt von der künftigen Straßenbahnhaltestelle. Dieser kompakte 4-geschossige Baukörper ist problemlos in Passivhausbauweise zu erstellen. Durch die Hanglange und die erforderlichen Nutzungen ist lediglich eine Teilunterkellerung erforderlich. Das Mensagebäude ist vom Schulgebäude bewusst getrennt wodurch sich ein geschützter kleiner Schulhof ergibt. Die Mensa erstreckt sich über zwei Geschosse, so dass die unterschiedlichen Altersgruppen von Schülern die Möglichkeit haben sich entweder auf der oberen oder auf der unteren Ebene aufzuhalten. Die vorgelagerte Terrasse auf der unteren Ebene geht in die Landschaftstreppe über und verbindet diese mit den übrigen Bestandsbauten. Das Mensagebäude wird ebenfalls in einer kompakten Gebäudeform errichtet und in Passivhausbauweise ausgeführt.