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Seidel Architekten Landespflegezentrum Mautern 10

Landespflegezentrum Mautern

Architekturwettbewerb

1. Preis

Projektbeschreibung

1. Städtebauliches, Architektonisches Konzept 

Auf einem Basisgeschoss, das alle allgemeinen Bereiche und die Versorgung umfasst ruhen zwei Baukörper, die in den Obergeschossen mit einer Erschließungsspange verbunden sind.

•  Freie Sichtbeziehung Innen/Außen

•  Ost-West Orientierung der Baukörper (gleichwertiges Wohnen und verbesserter Schallschutz)

Jeder Baukörper ist in sich gegliedert. Eingeschnittene Innenhöfe schaffen vielseitige Raum- und Blickbezüge. Die Innenhöfe selbst sind unbeheizt und belüftbar, thermisch wirksam als witterungsgeschützter Kaltraum im Winter (Wintergarten) und als offener witterungsgeschützter und beschatteter voll belüfteter sommerlicher Pufferraum. Um diese Innenhöfe entwickelt sich ein abwechslungsreiches Wegesystem.

•  Bewegung, Rundgänge im Inneren (8er-Schleifen)

•  Ebenerdiger Zugang aus dem Wohnbereich der Demenzstation in den abgeschlossenen Garten dieser Station. Höchstmögliche Selbstständigkeit im Aufsuchen des Gartenbereiches.

•  Themengärten, Bewegung, Rundgänge und Rasten setzen sich im Äußeren fort – Innen und Außen verweben sich zu einer Einheit

Ausgangspunkt für die Positionierung und Situierung des Gebäudes sind neben der optimalen Ausrichtung der einzelnen Wohnbereiche (auch in schalltechnischer Sicht) die Schaffung einer großzügigen schallabgewandten garten- und parkartigen Freifläche. Die Schaffung eines niveaugleichen, von der  Demenzstation aus direkt zugängigen Gartenbereiches ist dabei ein wesentlicher Ansatz, was durch die entsprechende Situierung des Bauwerkes im Gelände, das nach Norden deutlich ansteigt, ermöglicht wird. In der Außenanlage ist die Anlage eines vielfältigen und abwechslungsreichen Wegekonzeptes mit unterschiedlichen rechts und links Verzweigungen sowie integrierten Themenbereichen und Bereichen zum Verweilen ein intensives Anliegen. Innen und Außen verbinden sich damit zu einen Gesamtkonzept, das unterschiedliche Pflegekonzepte ermöglicht und zugleich selbstständiges Entscheiden der SeniorInnen fördert. 

 

2. Funktionales Konzept 

Das dem Bewegungsbedürfnis der SeniorInnen entsprechende Wegekonzept setzt sich im Inneren des Gebäudes fort. Die innere Erschließung der Stationen verläuft netzartig und sichert eine abwechslungsreiche Wegeführung. Orte des Verweilens wechseln mit Wegen des Ausblicks und des Lichts und führen zu den Aufenthaltszonen, den inneren Plätzen jeder Station. Zentral gelegen ist immer der Schwesternstützpunkt mit möglichst kurzen Wegen und hoher Übersicht, vor allem zu den Zugangsbereichen. Rund um die im Mittelbereich angeordneten „Wintergärten", gruppieren sich wegeoptimiert der Schwesternstützpunkt, die Versorgungszonen und die Wohnbereiche der SeniorInnen mit hohem Wiedererkennungswert und besonderem Anspruch an die Privatsphäre. Die Wege in den Stationen sind vielfältig und abwechslungsreich entlang der Wintergärten geführt. Die Kommunikationszonen liegen daran angedockt und sichern Schutz- und private Nischenbereiche für Begegnung und Leben in der Wohngemeinschaft außerhalb der privaten Rückzugsbereiche. 

•  Wiedererkennungswert (Möglichkeit zur persönlichen Gestaltung der Eingangszone in die Pflegezimmer) 

Die Eingangszonen der Wohnbereiche sind privat gestaltbar und mit signifikanten und symbolhaften Darstellungen in den jeweiligen Bereichen damit unverwechselbar und persönlich akzentuiert. Dieser Eindruck wird zusätzlich durch ein dem Entwurf zugrunde liegendes Farbkonzept unterstützt. Beide Stationen einer Geschossebene sind mit einer „Brücke" verbunden, wobei die Einsehbarkeit der Erschließungsbereiche jeweils von einem Schwesternstützpunkt für beide Stationen gegeben ist, was unter anderem auch den Personaleinsatz, vor allem im Nachtbetrieb deutlich erleichtert.

•  Systemoffenes Konzept – Stationen mit 30 Einheiten, Stationen mit 12 Einheiten (Demenzstation) sowie Kleingruppenpflege in Zukunft ebenso möglich (WG-Charakter der Geschosse)

•  Flexibilität (Rastersystem) der Pflegezimmer/Demenzzimmer als nachhaltiges Konzept der Raumnutzung

•  Kernbereiche für Ver- und Entsorgung ermöglichen störungsfreie Abläufe für Personal, Patienten und Besucher

•  Nachtdienst (Pflegestation) mit einsehbaren Wege und Sichtkontakt zur Erschließung von jedem der zwei Schwesternstationen 

Die beiden Wohngeschosse mit jeweils zwei Stationen je Ebene sind derart konzipiert, dass diese, auch ohne großen baulichen Aufwand ändernden Verhältnissen angepasst werden können. Eine Aufgliederung der Stationen z. B. in kleinere Wohngruppen und damit vermehrte Anforderung an eigenverantwortliche Aktivität und Kommunikation der BewohnerInnen erzielt nicht nur gute Erfolge im therapeutischen Bereich, sondern senkt zudem auch die zum Teil hohen Betreuungskosten. Der Zuschnitt der Geschosse und die Konzeption der funktionalen Zusammenhänge macht eine derartige, auf Basis aktueller Erkenntnisse liegende Anpassung des Ausstattungssprofiles auf kleinere Wohngruppen ohne kostenintensive Umbauten möglich.

•  Optimierte Versorgungszonen

•  Kurze Wege durch Situierung der Pflegestützpunkte und dazugehöriger Nebenräume

•  Abgestufte Privatsphäre/Öffentlichkeit im Erdgeschoss 

Alle Bereiche der Gemeinschaft und Begegnung liegen im Erdgeschoss. Die Versorgungszonen sind über  entsprechend getrennte Zugänge jeweils optimal erreichbar. Die Trennung in Zonen unterschiedlicher Nutzung und unterschiedlichem Anspruch nach Öffentlichkeit ist Ziel der Konzeption des Erdgeschosses. Allgemeine und öffentliche Nutzungen, wie die Verwaltung etc. liegen in Eingangsnähe. Personal- und Wirtschaftsbereiche verfügen über einen separaten, abseits der öffentlichen Bereiche liegenden Eingang. Die Situierung des Festsaales, der Kapelle und des Cafes, das als Zone der Begegnung mit Außen und als Bereich für die Pflege der Kontakte untereinander zur Verfügung steht, vermittelt im Erdgeschoss zwischen Innen und grünem Außenraum. Der Haupteingang mit abgestuftem Öffentlichkeitsanspruch sichert in den erdgeschossigen Allgemeinräumen auch den, von Außeneinflüssen ungestörten Betrieb. Öffentlichkeit und Privatsphäre verschmelzen in einer gemeinsamen Begegnungszone und werden so zum "Inneren Zentrum". Information und Servicezonen sind optimal an den Nahtstellen zu den darüberliegenden Wohngeschossen erreichbar. Versorgungsabläufe in Küche und Personalzonen entsprechen dem Raumprogramm und sind auch hier auf kurze Wege hin optimiert. Von den Wegen der Insassen kaum berührt ist der Bereich der Verabschiedung diskret zum Eingang situiert. 

•  Abwechslungsreiche Wegeführung und gute Orientierbarkeit der halböffentlichen Bereiche in den Geschossen

•  Wohnküche mit heimeligem Wohncharakter mit Rückzugsmöglichkeiten, hohe Übersichtlichkeit sichert die gute Orientierung und den ständigen Innen-/Außenbezug.

•  Der Mensch im Alter nimmt sein Leben zunehmend mehr über seine Sinne wahr, auch wenn sich die Möglichkeiten der Wahrnehmung objektiv reduzieren.

•  Wohlfühlen und Empfinden erhalten einen besonderen Stellenwert 

 

Die Wohneinheiten bieten den BewohnerInnen einen eigenen, persönlichen und privaten Bereich von hoher Intimität. Besonderes Augenmerk wird auf die Vermittlung von Geborgenheit und Schutz gelegt. Eingezogene Loggien vermitteln zum Außenraum. Die Inszenierung des Tageslichtes und der Beleuchtung unterstützen durch indirekte Wirkung das angenehme Wohnklima. Die Ausformulierung von Licht und Farbe an der Zimmerdecke als Wahrnehmungsebene für Bettlägerige ist ebenso ein Anliegen, wie die Möglichkeit aus dem Bett nach außen zu blicken. Die Loggien mit akustischer Ausrüstung sichern den Innen-/Außenbezug auch vom Bett aus. Sitzbereiche im Zimmer, als erkerartige Nischen vermitteln Geborgenheit und privaten Bezug.