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Seidel Architekten Staatsanwaltschaft Ulm 8

Staatsanwaltschaft Ulm

Architekturwettbewerb

Projektbeschreibung

Städtebau

Das Wettbewerbsgebiet befindet sich in der Ulmer Stadtmitte. Das Eckgrundstück liegt gegenüber dem historischen Justizgebäude an der Ecke Olgastraße und Karl-Schefold-Straße und bildet somit den Endpunkt der Geschäftsstraße und die Grenze der historischen Stadt (-mauer). Als Akzentuierung dieser städtebaulichen Situation entsteht ein massiver Baukörper als klar ablesbares Gebäude. Der klar gegliederte Baukörper nimmt die Ordnungsachsen und Raumkanten entlang der Olgastraße auf. Die bestehenden Gebäude an dieser Seite der Olgastraße wenden dieser ihre Schmalseite zu. Dieser Körnung wird Rechnung getragen. Die Höhenstaffelung erhält an dieser Stelle ihren Hochpunkt. Der Baukörper bildet zusammen mit dem Baukörper für die Staatsanwaltschaft ein Ensemble. Um das Grundstück optimal ausnutzen zu können, entstehen zwei L-winkelförmige Gebäude (1. + 2.Bauabschnitt) die einen Innenhof bilden.

Die Gebäude gliedern sich in ihrer Größe und nehmen somit die Körnung der umgebenden Bebauung auf. Die Orientierung des Baukörpers ist in Nord-Süd Richtung entsprechend der bestehenden Nachbarbebauung entlang der Olgastraße. Durch die Höhen-, Vor- und Rücksprünge ist der Maßstab auch in der Fassade ablesbar. Außerdem entstehen „Durchblicke” zum Justizgebäude sowie zum Ulmer Münster. Die ablesbaren „Knotenpunkte” im Justizgebäude tauchen auch bei der Neubebauung in neu interpretierter Form wieder auf. Der 2.Bauabschnitt springt entlang der Karl-Schefold-Straße von der Grenze zurück und macht den Blick frei auf das Gebäude der Staatsanwaltschaft. Es entsteht ein kleiner Vorplatz der einen dann in den Innenhof/Erschließungshof führt. Entlang der Olgastraße entsteht eine geschlossene Grenzbebauung mit leicht auskragenden Gebäudeteilen, die schon aus der Ferne gut ablesbar sind.

 

Bauabschnitte

Der 1.BA ist ohne Probleme mit Erhalt der bestehenden Gebäude realisierbar. Die Gründungssohle entspricht ungefähr der des Hochhauses. Die Tiefgaragenabfahrt wird mit dem 1.BA realisiert. Die Abstandflächen zum Hochhaus sind ausreichend. Der 2.BA kann nach Abbruch der Olgastraße 107 und 109 realisiert werden. Die Gründungssohle entspricht auch hier der des Bestandsgebäudes.

 

Außenbereiche

Der Grünraum rund um das Justizgebäude setzt sich im begrünten Innenhof der neuen Bebauung fort. Der Innenhof ist großzügig und lässt zu jeder Tageszeit ausreichende Besonnung erwarten. Die zentrale Lage macht ihn für die Mitarbeiter gut nutzbar. Als Erschließungshof ist es so möglich, beide Gebäude zentral erschließen zu können. Der Hof ist um ca. 50 cm erhöht. Das hat zwei Gründe: zum einen setzt man die Gebäude auf ein Sockel, wie es ja auch auf eine andere Art und Weise beim alten Justizgebäude der Fall ist, zum anderen erreicht man somit eine höhere Brüstungshöhe zur Olgastraße hin und die dort liegenden Räume haben einen besseren Einblickschutz. Es entsteht somit eine grüne Verbindung zwischen Grüngürtel entlang der Olgastraße einerseits und Karlsplatz andererseits.

 

Erschließung

Das vorerst zu erhaltende Bestandsgebäude lässt den Neubau der Staatsanwaltschaft in den hinteren Bereich des Grundstücks rücken. Der Hof öffnet sich großzügig zur Karl-Schefold-Straße um den Einblick auf dieses Gebäude nicht zu verdecken. Der Fußgänger wird durch das hervortretende Gebäude automatisch in den Hof und somit zum zentral gelegenen Eingang geführt. Der 2.Bauabschnitt entlang der Olgastraße sitzt auf der Grenze und öffnet sich im EG zum Innenhof. Somit entstehen Blickbeziehungen, sowie Wegebeziehungen zum Eingang 1. + 2.Bauabschnitt. Der Eingang 2.BA streckt sich durch das Gebäude durch und erlaubt somit den Zugang vom Hof wie auch von der Karl-Schefold-Straße. Folglich wird es dem Fußgänger leicht gemacht, ob aus der Platzgasse kommend oder von der Straßenbahnhaltestelle, möglichst schnell die neuen Gebäude zu erschließen.

 

Parken

Das oberirdische Parken befindet sich außerhalb des Gebäude-Ensembles hinter dem 1. BA. Die Tiefgaragenzufahrt führt ebenfalls über diese Einfahrt und mündet unter dem gemeinsamen Hof in das 1. UG des 2.Bauabschnittes. Somit gibt es keinerlei Störungen der Wegebeziehungen durch zuviele Ein- und Ausfahrten.

 

Fassade und Materialität

Der Sandstein als Fassadenbekleidung wurde bewusst gewählt, um nochmals die Verbindung zum Justizgebäude und der historischen Stadt herzustellen. Außerdem erreicht man so die gewünschte Massivität und die klare Formensprache ist sehr gut zu realisieren. Die unterschiedlichen Fensterbreiten unterstützen das Spannungsbild der massiv auskragenden Gebäudeteile. Die zurückspringenden Fassaden haben eher eine ruhige, geordnete Fensteraufteilung und die hervorspringenden eher eine abwechslungsreiche Fensteranordnung. Die Eingangsbereiche sind durch verglaste Einschnitte lichtdurchflutet und leicht gestaltet. Der Zugangsbereich öffnet sich regelrecht dem Besucher gegenüber freundlich. Die Vorgabe des 50%igen Verglasungsanteils wurde eingehalten.

 

Innenbereich

Die Innenbereiche sind klar gegliedert und strukturiert. In den Flügeln befinden sich jeweils die Abteilungen mit ihren Büros. Im nördlichen Teil des Mitteltraktes befinden sich die Registraturbüros. Im zentralen Mittelbereich die Kommunikationszone und der Pausenbereich. Gegenüber dem Raumprogramm haben wir in jedem der zentralen Geschosse (1.OG – 3.OG) diese Aufenthaltszone vorgesehen und noch zusätzliche Besprechungsräume. Die Aufenthaltsbereiche (beider Bauabschnitte) haben direkten Blickbezug zum begrünten Innenhof. Ein vorgelagerter Balkon schafft eine halböffentliche Zwischenzone. Aus Sicherheitsgründen sind alle Räume für Besucher, wie z. B. Pressekonferenzen, Vernehmungen, Wartezimmer etc. im EG untergebracht. Beide Bauabschnitte habe über das interne Treppenhaus Zugang zur Tiefgarage. Die Eingangs- und Aufenthaltsbereiche sind transparent und großzügig gestaltet. Sie liegen zentral und sind für alle Mitarbeiter gut zu erreichen.