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Seidel Architekten Besucherzentrum Graz 10

Besucherzentrum Graz - Justizanstalt Karlau

Architekturwettbewerb

Projektbeschreibung

Städtebauliche Aspekte Besucherzentrum

Städtebau
Das Besucherzentrum befindet sich zwischen dem Schloßgebäude und dem Verwaltungsbau. Es ist auf der nord-westlichen Grenze des Wettbewerbsfeldes platziert, um den sich bildenden Zwischenraum zum parallel verlaufenden, langen Verwaltungsgebäude so groß wie möglich zu gestalten. Da keine städtebaulich relevanten Kanten existieren wird die Längen- und Breitenentwicklung des Besucherzentrums rein aus seiner Funktion bestimmt. Um das Gefühl der Enge zwischen den Gebäuden zu minimieren ist das Obergeschoss zurückgesetzt, so dass sich die Räume in der dritten Dimension öffnen. Der „Verbindungssteg" zwischen Schloß, Neubau und Verwaltung ist in seiner Höhe geringer als das Besucherzentrum und „durchschießt" es.

 

Baukünstlerische Aspekte Besucherzentrum

Idee
Das Gebäude präsentiert sich, seiner Funktion entsprechend als ein sehr introvertierter Baukörper. Das Gebäude besteht aus einem schweren, steinernen EG-Sockel aus dem sich ein kristalliner Körper in die Höhe schiebt und dem niederen Verbindungsgang, welcher in den Neubau eindringt. Der Verbindungsgang weitet sich im Bereich des Schloßportals, um es einzufassen. Die einzigen Sichtverbindungen nach außen befinden sich auf der Ostseite. Hier klappt sich die Fassade in einer weichen Rundung nach außen, um eine natürliche Belichtung des Flures und der Räume zu erlangen. Durch diese Maßnahme werden Einblicke vom Verwaltungsgebäude vermieden.

Kleine, runde Öffnungen in der Außenfassade akzentuieren den ruhigen Baukörper. Um trotz der Geschlossenheit eine hohe innenräumliche Qualität zu erreichen befinden sich auf der Westseite begrünte Lichthöfe und in der Mitte des Gebäudes ein hell erleuchtetes Atrium. Durch die Höfe fällt das Licht tief in das Gebäude und ermöglicht eine natürliche Belichtung und Lüftung. Alle Räume werden über Oberlichter und/oder angrenzende Höfe natürlich belichtet. So entsteht trotz aller funktionalen Zwänge ein Gebäude mit hoher innenräumlicher Qualität, welches das „Außen" nach innen kehrt.

Materialität
Aufgrund von Ort und Funktion des Areals bedient sich die Fassade der Materialien, welche mit dieser Funktion in Verbindung gebracht werden. Gefängnis > Stein > Metall/Gitter. So ist das EG als schwerer Sockel aus einer Vorsatzschale mit einem grob geschlagenen Naturstein (Crailsheimer Muschelkalk) geplant, aus dem sich der mit einem Metallgewebe verkleidete Körper des OGs herausentwickelt. Diese Metallverkleidung übernimmt auch die Funktion der Vergitterung im Bereich der Balkone und Oberlichter. Der Verbindungsgang zwischen Schloßgebäude und Verwaltungsbau ist ebenfalls mit dieser Metallhaut versehen.

Tragwerk 
Im nördlichen, eingeschossigen Bereich werden die Lasten des Daches über die tragenden Innen- und Außenwände abgetragen. Im südlichen Bereich erfolgt der Lastabtrag über die Stützen im mittleren Bereich und den Außenwänden. Das OG liegt auf den darunter liegenden Stützen und Wänden.

 

Funktionale Aspekte Besucherzentrum

Außenbereich
Das Gebäude steht auf der neugeplanten Grünzone zwischen Schloß und Verwaltung. Sie wird lediglich durch die notwendigen Wege an den Ausgängen des Verbindungsganges durchzogen.

Innenbereich
Erschlossen wird das Gebäude durch den Verbindungsgang zwischen Schloß und Verwaltungsbau. Dieser Gang ist in zwei Bereiche geteilt. Im nördlichen Teil befindet sich die Erschließung für das Personal, im südlichen für die Besucher sowie die Insassen. Um den langen Flur zu rhythmisieren wird die Trennwand durch vergitterte Bereiche unterbrochen. Um eine bessere Belichtung des Ganges zu gewährleisten ist die Trennwand nicht raumhoch geplant, sondern schließt ebenfalls mit einer Vergitterung an die Decke an. Die Belichtung erfolgt über Oberlichter. Im nördlichen Teil des Neubaus befinden sich die Umkleiden, der Einsatzmittelraum sowie das Lager für das Personal. Auf der anderen Seite befinden sich die Besucherräume.

Der Aufgang zu den sich im OG befindenden Langzeitbesuchen führt durch das Atrium. So kommt es zu einer frühen Trennung der einzelnen Bereiche und dem Gedanken der Privatheit und des „Besonderen" wird dadurch Rechnung getragen. In diesem Bereich befindet sich ebenfalls eine Schleuse, welche Therapeuten, Anwälte, etc passieren müssen, um in den „Gefangenenbereich" zu gelangen. Zu dem Aufzug gelangt man ebenfalls durch die Schleuse. Alle weiteren Besucher orientieren sich nach Süden zu den Räumen des geschlossenen Besuches und der Tischbesuche. Diese werden durch den Flur mit seiner ausgestellten Fassade erreicht. Das Dienstzimmer ist im Zentrum angeordnet, um optimale Einblicke zu den angrenzenden Besucherräumen, als auch zu dem Visitierraum und Wartebereich zu gewährleisten. Dieses Zimmer wird ebenfalls über eine große Öffnung im Dach belichtet. Im OG befinden sich die Räumlichkeiten für die Langzeitbesuche. Diese werden über eine Schleuse begangen. In diesem Bereich befindet sich auch der Steg zu dem Aufzug und zu einer möglichen Erweiterung.

 

Ökonomische, Ökologische Aspekte Besucherzentrum

Allgemein
Für den Neubau wird ein nachhaltiges Energiekonzept unter Berücksichtung der baulichen und ökologischen Aspekte vorgesehen. Eine sinnvolle und ausgewogene Konzeption zur Beheizung/Kühlung und Belüftung wird angestrebt – unter maximaler Ausnutzung von natürlichen Ressourcen. Die Erschließung (Lüftung, Heizung, Sanitär) des Gebäudes erfolgt über den neugeplanten Kollektorgang und wird an die vorhandene Fernwärme angeschlossen. Die Fassaden sind hoch gedämmt.

Sanitär
Das Gebäude wird nur mit Kaltwasser versorgt – aufgrund der geringen Zapfmenge von Warmwasser erfolgt die Erzeugung dezentral. Bei zentraler Erzeugung würden die Zirkulationsverluste bis zu 90% im Vergleich zur verbrauchten Menge betragen!

Heizung | Kühlung
Das Gebäude wird an das vorhandene Fernwärmenetz angeschlossen. Die Heizung und Kühlung erfolgt über eine Betonkernaktivierung. Der Bereich der Langzeitbesuche erhält ein Niedertemperaturflächenheizsysteme sowie zusätzliche Handtuchheizkörper in den Bädern.

Lüftung
Es ist eine natürliche Belüftung der Räume durch die Lichthöfe und Oberlichter vorgesehen. Zusätzlich kommt eine mech. Be- und Entlüftung in den innenliegenden Bereichen und Umkleiden zum Einsatz. Der Bereich der Langzeitbesuche wird natürlich belüftet.

Raumprogramm
Die Überschreitung der Flächen (Raum 1.01, 1.06, 1.07/8 | gesamt 7 m²) ist zu vernachlässigen > Gesamtkonzept 

 

Städtebauliche Aspekte Sport- und Schießanlage

Städtebau
Der Neubau ist im nord-östlichen Teil des Wettbewerbsfeldes platziert. So ist das Gebäude, wie auch sein Eingang bereits vom Parkplatz und der Haupterschließungsstraße gut sichtbar und versteckt sich nicht hinter dem Haus 48. Durch das Freistellen des Gebäudes im „Park" kann es seinen monolithischen Charakter frei entfalten. Im südlichen, dem Park zugewandten Bereich ist das Gebäude niedriger und entwickelt seine Höhe erst im hinteren Teil nach Norden.

 

Baukünstlerische Aspekte Sport- und Schießanlage 

Idee
Das Gebäude orientiert sich in seiner Formensprache am Besucherzentrum. Es besteht ebenfalls aus einem steinernen EG-Sockel, welcher allerdings in seiner Höhe variiert und sich teilweise bis auf die volle Höhe ausdehnt. Aus diesem Sockel entwickelt sich ein kristalliner Körper, der sowohl aus dem Sockel wächst, als ihn auch „aufbricht". Der niedrigere Bereich enthält den Eingang, Aufenthaltsbereich, die Umkleiden und den Abgang zur Schießanlage, welche sich im UG befindet.

Materialität
Es werden die gleichen Materialien wie bei dem Besucherzentrum verwendet. Die Metallfassade umschließt die Hauptnutzungen des EG-Bereiches, Fitnessraum und Turnsaal und dient hier auch als Sonnenschutz. 

Tragwerk 
Sowohl die Decke über dem Schießstand, als auch die Decke über den Sporträumen spannen frei über 9 m. Über dem Schießstand wurde eine Stahlbeton-Rippendecke gewählt. Diese hat den Vorteil eines geringen Eigengewichtes, eines reduzierten Materialaufwandes und gerät durch die darüber liegende Nutzung nicht ins „Schwingen". Das Dach über den Sporträumen wird als Spannbetonhohlkörperdecke ausgeführt. Auch diese hat ein geringes Eigengewicht und kommt mit einer Stärke von 27 cm aus. Sie liegt auf den Außenwänden und auf den nach oben geführten Stützen (Achsabstand 2,4 m).

 

Funktionale Aspekte Sport- und Schießanlage

Außenbereich
Der Neubau wird über die Straße zwischen Haus 48 und Gefängnismauer erschlossen. Der in das Gebäude eingeschnittene Zugang des Neubaus befindet sich auf der Südseite des Gebäudes. Im westlichen Teil befindet sich die Fluchtreppe des UGs. Diese begrenzt den Freibereich vor dem Fitnessraum, welcher mit genutzt werden kann. 

Innenbereich
Im hell erleuchteten Eingangsbereich befinden sich die Wartezone, der Abgang zur Schießanlage sowie die Zugänge zum Fitnessraum, zum Turnsaal und zu den Umkleiden. Zwischen den Sportbereichen befindet sich der Geräteraum. Der Turnsaal wird durch Fenster über dem „Sockel” belichtet. Die vor den Fenstern verlaufende Metallfassade dient auch als Sonnenschutz. Der Fitnessbereich wird über die raumhohe Verglasung auf der Westseite, Oberlichter und den drei großen, runden Öffnungen auf der Nordseite belichtet. Die Belichtung der Umkleiden erfolgt über Oberlichter und kleine Öffnungen in der Fassade. Im UG befindet sich die Schießanlage. Das UG folgt in seiner Organisation dem Funktionsschema. Ausschließlich der Warte- und Schulungsbereich wird über einen Lichtschacht belichtet.