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Seidel Architekten Munk Ehingerstraße 7

Munk - Ehingerstraße, Ulm

Architekturwettbewerb

Projektbeschreibung

Erläuterungen zur Entwurfsidee

Städtebau

Das städtebauliche Umfeld am Ehinger Tor ist durch eine Vielzahl an unterschiedlichen Materialitäten, wie Sichtbeton, Klinker und Putzfassaden geprägt. Das dominierende Gebäude ist nicht, wie es der Name vermuten lässt das Ehinger Tor, sondern das Universum Center und die Überdachung der Bus- und Bahnhaltestelle. Das eigentliche Ehinger Tor ist von der Innenstadt kommend nicht wahrzunehmen. Um diese Fassadenvielfalt zu beruhigen und um einen Gegenpol zu dem massigen Universum Center zu bilden wählen wir zwei klare Baukörper, welche als großer, starker und in sich ruhender Gebäudekomplex erscheinen. Die zwei Körper sind durch eine Glasfuge miteinander verbunden und folgen in ihrer Ausformulierung dem Rahmenplan der Stadt Ulm.

Der Kopfbau nimmt die Kanten der Ehinger Straße und der Schillerstaße auf. Er führt diese in der Ehinger Straße aber nicht fort, sondern „knickt" zurück, um nicht mit der Haltestellenbedachung zu kollidieren. Durch dieses zurückweichen wird der Raum zwischen den Neubauten und der Haltestelle geöffnet. Der zweite Baukörper ist gemäß Rahmenplan zurückgesetzt und spannt so einen Platz zwischen Haltestelle und Neubau auf. Begrenzt wir dieser Platz durch den sich vorschiebenden Kopfbau mit seinem bis auf den Boden gezogenem „Standbein". In Ost-West Richtung dehnt sich der Gebäudekomplex bis auf die Grenzen aus. An der Ecke Schillerstraße – Ehinger Straße präsentiert sich der Kopfbau mit acht Geschossen und springt in seinem Verlauf Richtung Süden auf sechs Geschosse zurück, um in die anschließende Bebauung überzuleiten.

Der zurückgesetzte Körper hat sieben Geschosse, wobei das oberste als Staffelgeschoss ausgebildet ist. Der Komplex steht durch die bis auf den Boden durchgehenden Stützen und Wandpfeiler fest auf dem Boden, was den monolithischen Charakter stärkt. Rück- und Höhenversprünge schneiden sich aus den Bauwerken, ohne dass sie an ihrer „Körperhaftigkeit" verlieren. So erhalten die Gebäude die nötige Kraft und „Schwere" um als Gegenpol zu der umliegenden Bebauung zu bestehen.

  

Erschließung

Die Eingänge der Gebäude befinden sich auf der Nordseite bzw. zwischen ihnen und sind durch die Überstände der Bauwerke geschützt. Die Tiefgaragenabfahrt sowie die oberirdischen Stellplätze befinden sich auf der Südseite. Die Abfahrt zu den Untergeschossen beginnt im Außenbereich, um keine Fläche in den Gebäuden zu verlieren. Die Nord- und Südseite sind durch einen Durchgang zwischen den Neubauten verbunden. Dort befindet sich auch der Zugang zu den oberen Geschossen des Kopfbaus. Da die oberen Bereiche über der Hochhausgrenze liegen, wurde das Treppenhaus als Sicherheitstreppenhaus mit einem Laubengang ausgeführt. Der Eingang des zweiten Gebäudes liegt zwischen den Geschäften und schneidet in den Neubau ein.

 

Funktionalität

Außenbereiche  

Im Norden entsteht zwischen den Neubauten und dem Dach der Haltestelle ein Platz. Um den urbanen Charakter zu verstärken stehen 8 m hohe Leuchtstelen in der Gebäudeflucht des Kopfbaus. Diese fassen den Platz zusätzlich, werten ihn auf und erhellen den bis dato eher dunklen Bereich. Auf der Südseite befinden sich 10 Stellplätze, ein Fahrradabstellbereich sowie die Tiefgaragenabfahrt. Sowohl auf der Nord-, als auch auf der Südseite ist der gleiche Bodenbelag vorgesehen.

 

Innenbereiche 

  • Das Erdgeschoss beheimatet Läden/Geschäfte und eine Bankfiliale. Im Bereich der Durchfahrt auf der Süd-Ostseite befindet sich der Müll- und Fahrradraum.
  • Die Geschosse 1 – 3 sind einer Büro- und Praxisnutzung vorbehalten.
  • Durch das Achsraster der Fassade (Kopfbau: 2,25 m; zurückgesetzter Körper: 2,6 m) können die Einheiten in ihrer Größe frei variiert werden.
  • Die Geschosse 4 – 7 beheimaten eine Wohnnutzung. Auch hier ist eine freie Größeneinteilung möglich.
  • In den Geschossen 4 und 5 sind Wohnungen mit einer Größe zwischen 38 m² – 77 m² geplant.
  • Im Staffelgeschoss sowie in den Geschossen 6 und 7 sind größere bzw. Penthousewohnungen mit großen Terrassen/Loggien vorgesehen.
  • Wohnungen auf der Nord- und Ostseite sind allesamt mit Loggien gedacht. Auf der Südseite treten Balkone hervor, welche sich aber der Fassadenstruktur unterordnen bzw. anpassen.

 

Fassade/Materialität

Die Fassade ist als „Lochfassade" ausgebildet. Allerdings springen die Decken im Bereich der bodentiefen Verglasung zurück. Dadurch bekommt die Fassade, im Gegensatz zur klassischen Lochfassade Tiefe, Spannung und eine Richtung. Als Vorsatzschale ist ein „weiß-gelblich-grauer“ Naturstein vorgesehen, welcher „steinartig" im Verband fast fugenlos verlegt ist. Die Fassade orientiert sich in ihrem Erscheinungsbild am Ehinger Tor. Sowohl Außenwände, Decken als auch die Leibungen sind mit diesem Naturstein geplant.

 

Tragwerk

Das Tragwerk besteht aus Stützen, welche sich vom UG bis unters Dach erstrecken. Die Fassadenpfeiler werden alle, bis auf die Auskragung im Bereich des Kopfbaus, bis auf den Boden gezogen. Durch dieses statische System werden keine weiteren Innenwände benötigt, um die Tragfähigkeit des Gebäudekomplexes zu gewährleisten. Die Aussteifung erfolgt über die Treppenhäuser. Die Stützen sowie die Tragstruktur der Außenwände sind aus Beton geplant. Durch diese Maßnahmen entsteht ein wirtschaftliches Tragwerk, welches eine freie Raumaufteilung in den Geschossen zulässt.