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Seidel Architekten Innere Medizin LSF Graz 8

Innere Medizin LSF Graz

Architekturwettbewerb

Projektbeschreibung

Entwurfsgedanken und Grundlagen

Das bebaubare Wettbewerbsgebiet ist eng begrenzt, weswegen sich der Neubau in seiner Größe und Form am bestehenden Hauptgebäude orientiert und mit diesem zusammen sowie den vorhandenen Zwischengebäuden ein deutlichen „H" als Großform bildet. Da in künftigen Gebäudeabschnitten der Haupteingang zu diesem jetzt geplanten Gebäude in diese späteren Gebäudeteile verlagert werden soll, entsteht die Problematik einer möglicherweise temporären Erschließungssituation. Die äußere Gestaltung des Gebäudes soll modern aber zeitlos, von hoher gestalterischer Qualität und möglichst wartungsfrei sein. Ihre Struktur lässt sich aus den Ansichten ablesen, wobei farbige Paneele in der Pfosten-Riegel-Fassade einen eigenständigen Charakter ergeben. Im Erdgeschoss ergibt ein Rücksprung den gewünschten schwebenden Charakter der Obergeschosse sowie eine plastisch wirkende Struktur, die aber dennoch wirtschaftlich zu erstellen ist. 

Die innere Gestaltung besteht aus einem 3-Bund mit zwei Längsfluren, wobei die Mittelzone im Bereich der Treppenhäuser konsequent über durchgehende Lichthöfe aufgewertet wird und somit eine hohe Aufenthaltsqualität gegeben ist. Es ergeben sich also zwei Kernbereiche mit Wartezone und Stationsstützpunkt sowie dem mittleren Verteilerkern mit der Rezeption. Die Überlegungen zur Wirtschaftlichkeit des Gebäudes ergaben eine konsequent einfache Tragstruktur mit tragenden Stützen/Wandpfeilern und einem Fassadenraster, welches eine maximale Flexibilität der Raumaufteilung ermöglicht. Die Bereiche der Auskragung über dem Erdgeschoss sind ohne hohe technische und wirtschaftliche Aufwendungen zu realisieren. Bezüglich des Raumprogramms im Erdgeschoss wurden intensive Überlegungen angestellt, ob Flächen frei bleiben oder von vornherein als geschlossene Räume ausgebildet werden sollten. Hier kam nach internen Kosten-Nutzen-Überlegungen die Entscheidung für Drittmittelnutzungen, nämlich den süd-westlichen Gebäudeteil komplett, zumindest als Hülle, auszubauen.

Das Raum- und Funktionsprogramm wurde vollständig erbracht, wobei durch die notwendige Rasterung des Gebäudes geringfügige Flächenverschiebungen nicht zu vermeiden sind. Es muss erwähnt werden, dass die Pfosten-Riegel-Fassade serienmäßig mit W90- Paneelen, welche den Brandüberschlag von Geschoss zu Geschoss verhindern, ausgeführt wird. Durch die Verwendung dieser Paneele reduziert sich der Fensteranteil der Fassade auf 40%. Des Weiteren sind die vorgesehenen Energiesparmaßnahmen auf die Gebäudenutzung abgestimmt und optimiert. Notwendige Erschließungen, Fluchtwege, Feuerwehrumfahrten etc. sind den Vorschriften entsprechend vorgesehen. Bezüglich der Freianlagen und der Einbindung in die Umgebung wurde der bisherige Charakter des gesamten Klinikgeländes fortgeführt, wodurch sich der Neubau harmonisch in das Gesamtgefüge integriert und alle Möglichkeiten von späteren Erweiterungen etc. ohne großen Mehraufwand offen gestaltbar bleiben.

 

Gliederung der Nutzungseinheiten

Die Einheiten wurden dem Funktionsschema entsprechend angesiedelt. Lediglich die Verwaltung erstreckt sich nicht über ein ganzes Geschoss, sondern wurde wie alle anderen Stationen in einer Geschosshälfte zusammengefasst. Dies hat den Vorteil der kurzen Wege innerhalb der Verwaltung und erleichtert auch die Orientierung innerhalb des Gebäudes. Des Weiteren kann dadurch der Ambulanzbereich übereinander liegen, so dass die Verknüpfung zwischen den Bereichen (Bestand, Neubau EG und Neubau 1.OG) ebenfalls optimiert werden konnte. Da der Flächenbedarf, laut Raumprogramm im Verwaltungsbereich deutlich geringer als in den anderen Geschossen ist, wurde hier ein zentraler Konferenzraum angesiedelt.
Die Cafeteria ist im Westen, unterhalb des Verwaltungsbereiches, direkt am Verbindungsgang zwischen den Gebäuden geplant. So ist diese von allen Teilen der Gebäude (auch den weiteren Modulen) gut zu erreichen. An dieser Stelle im Süd-Westen ist die Terrasse fast den ganzen Tag gut nutzbar.

Alle Nutzungseinheiten gliedern sich um ein öffentliches Zentrum. An dieses angeschlossen befinden sich die Personal-, Funktions- und Aufenthaltsräume. Im weiteren Verlauf folgen die Patientenzimmer. So sind diese geschützt und das Personal wie auch die Patienten haben kurze Wege innerhalb der Stationen. Im südlichen Teil des Erdgeschosses ist der Bereich für Drittmittel mit einem eigenen Eingang geplant. Die Ver- und Entsorgungsräume liegen direkt am Tiefhof im Untergeschoss. Die Umkleiden wurden in der Mittelzone und die Technik im Osten untergebracht. So kann an später kommende Module problemlos angeschlossen werden. Durch die längliche Lage der Technik kann das gesamt Gebäude problemlos erschlossen werden. Das Konzept lässt mit geringem Aufwand Drittnutzungen zu.

 

Beschreibung der Außenanlagen

Die Freianlagen der Landesnervenklinik Sigmund Freud sind seit dem Beginn des Klinikbaues 1874 geprägt von Veränderungen, von Adaptierungen der Baulichkeiten, Zu-, Um- und Neubauten. Ursprünglich ein landschaftlich geprägter Betrieb und später nach dem Muster des Englischen Landschaftsparks weiterentwickelt, steht den Patienten, Besuchern und Mitarbeitern heute ein weitläufiger und großzügiger Park für Entspannung und Erholung zur Verfügung. Mit der baulichen Neuordnung des ersten Moduls und dem nach Osten gelegenen Haupteingang wird die Orientierung zur Ostspange dem Wagner-Jauregg-Platz gezielt und übersichtlich vorgegeben und eine kurze fußläufige Verbindung zu den dortigen Parkierungsflächen verwirklicht. Im Sinne der ökologischen Ziele eines nachhaltigen Umweltschutzes sowie im Kontext zur baulichen Weiterentwicklung im zweiten Modul werden notwendige Zufahrten-, Wege- und Terrassenflächen flächensparend minimiert und mit wasserdurchlässigem Belägen und Rasenfugenpflaster befestigt. Notwendige Ausstattungen und Einbauten werden farblich zurückhaltend dem Park- und Ensemblecharakter angepasst.

Die weitere Fußwegeanbindung nach Süden sowie die lockere Anordnung der Bäume bindet den Neubau mit dem Gebäude der südlichen Schlafmedizin in die bestehende Struktur des landschaftlichen Parks und seinen geschwungenen Wegen, Wiesenflächen und ausgesuchten Gehölzpflanzungen harmonisch ein. Die Kombination aus behutsamem „Ergänzen und Anbinden" lässt eine Anlage entstehen, die Ruhe und Selbstverständlichkeit ausstrahlt und das Konzept von weitgehend verkehrsfreien zentralen Grünraumflächen fortsetzt. Die Grundidee des Freiraumkonzeptes setzt somit die geschichtliche Besonderheit des Ortes fort und berücksichtigt die gewünschte Integration sowie die städtebauliche Entwicklungsleitlinie in den kommenden Erweiterungsstufen.