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Seidel Architekten Schulzentrum-Engeo Bremervörde 6

Schulzentrum-Engeo – Bremervörde

Wettbewerb SEK-1

Projektbeschreibung

Wettbewerb SEK-1 Campus – Schulzentrum-Engeo – Bremervörde 


Städtebau und Konzept

Der Bestand des Schulzentrums-Engeo zeichnet sich leider nicht durch eine klare und städtebaulich stimmige Struktur aus. Die unterschiedliche Körnung der Bestandsgebäude verstärkt diese Situation zusätzlich. Das Wettbewerbsgebiet bietet prinzipiell mehrere Möglichkeiten für die Platzierung eines Neubaus. Eine Bebauung im östlichen „Grundstückszwickel" entlang des Birkenwegs halten wir aus mehreren Gründen für nicht opportun. Städtebaulich, funktional, schalltechnisch und gestalterisch hätte eine solche Lösung u. E. nur Nachteile.

Die zweite Möglichkeit einer Platzierung, nämlich zwischen nördlicher Sporthalle und Hauptschule mit evtl. Erweiterung nach Osten würde die Chance einer Campusbildung zwischen den Bestandsgebäuden verhindern. Wir halten daher die vorgestellte Lösung sowohl städtebaulich als auch funktional für die beste, da einerseits die kurze und stimmige Anbindung an das Gymnasium (Mensa) optimale Wege ermöglicht und andererseits ein Zentrum mit exquisiter Platzbildung entsteht. Das neu geplante Schulgebäude beruhigt mit seiner klaren und kompakten Form das städtebauliche Umfeld und  bildet den „SEK-I Campus” zwischen der heutigen Hauptschule und dem benachbarten Gymnasium bzw. der Berufsschule. 

 

Erschließung 

Das neue Schulgebäude wird von Osten erschlossen. Ein orientierungsfreundlicher Weg vereinigt fußläufige sowie motorisierte SchülerInnen und Besucher und führt mit freiem Blick auf den Haupteingang der Schule zu. Um die Wegeführung der SchülerInnen des Gymnasiums und der Berufsschule zur Mensa klar und direkt zu gestalten, erhalten diese im Westen einen separaten Zugang. Die Anlieferung der Mensa erfolgt ebenso im Westen über die Tetjus-Tügel-Straße. Ein zusätzlicher Nebeneingang direkt gegenüber der Ausgabeküche gewährleistet einen störungsfreien Ablauf der Andienung sowie des Schulbetriebs. 

 

Entwurfsidee

Das Gebäude besteht aus einem 3-geschossigen nahezu quadratischen Korpus, in dem sich Fach- und Klassenräume befinden. Der Korpus wird über alle Geschosse von einem Innenhof durchdrungen. Dieser schafft im Inneren des Gebäudes spannende Raumerlebnisse sowie auf Erdgeschossebene eine ruhige Außenraumfläche mit hoher Aufenthaltsqualität. In dem langgestreckten 2-geschossigen Teil des Gebäudes befinden sich der Ganztagesbereich sowie der Verwaltungs- und Lehrertrakt. Optisch und zugleich funktional werden beide Gebäudeteile durch eine Glasfuge getrennt, in der sich der Haupteingang aus östlicher und westlicher Richtung befindet. Die funktionale Trennung ermöglicht ein ruhiges Unterrichten sowie eine Abtrennung der nicht öffentlich zugänglichen Bereiche während einer Veranstaltung.

  

Fassade

Das Gebäude zeichnet sich durch eine kompakte Form aus, unterstützt durch eine ebenso klar strukturierte, aber dennoch spannungsreiche Fassade. Eine Pfosten-Riegel-Verglasung mit farbigen schmalen Lüftungsflügeln und undurchsichtigen Glaspaneelen bis zur Brüstungsebene zeigt Transparenz, Offenheit und Variabilität, also Lebens- und Lernfreude. Bewegliche Lamellen vor der Pfosten-Riegel-Fassade dienen als effektive Verschattung. Die Riegel der Pfosten-Riegel-Fassade dienen als Ablage und können den Bedürfnissen leicht angepasst werden.

 

Innere Raumgliederungen

Gebäude  Nord = Klassenzimmer und Fachräume

Gebäude Süd = Gemeinschafts-/Freizeitbereich, Medienbereich, Verwaltung und Lehrer

 

Freianlagen

Ein Platz innerhalb des Schulhofes ggf. mit einem großen Baum in seiner Mitte bildet das Zentrum des Campus. Verschiedene „Inseln" sowohl bepflanzt als auch begehbar als „kleine Plätzchen" umrahmen ihn und bieten unterschiedliche Nutzungsmöglichkeiten. Eine Wasserfläche entlang des Mensa-Außenbereichs beruhigt das Auge und trennt den Sitzbereich vom eigentlichen Hof.

 

Konstruktives Konzept

Das Deckentragwerk in den einzelnen Geschossen wird mit Stb.-Flachdecken ausgeführt. Dadurch ergibt sich hinsichtlich der Raumaufteilung und der Nutzung eine höchstmögliche Flexibilität. Unterzüge in den Regelgeschossen entfallen im Wesentlichen. Hierdurch ergeben sich in der Haustechnik bzw. Installationsführung keine Einschränkungen. Die Aussteifung der Gebäude erfolgt über die ausreichend vorhandenen Stahlbetonwände in Verbindung mit den Ortbetondeckenscheiben. Im Bereich der Auskragungen werden die Lasten über Stahlbetoninnenstützen abgetragen. Gegründet wird voraussichtlich konventionell mit Einzel – und Streifenfundamenten.

 

Gewerk Sanitär

Das Gebäude wird an die öffentliche Trinkwasserversorgung angebunden. Das Trinkwarmwasser wird – bis auf den Bereich der Küche – dezentral mit Elektro-Durchlauferhitzer erzeugt. Diese zeichnen sich durch sehr geringe Wärmverluste aus (keine Speicher- und Zirkulationsverluste). Dadurch entfällt das Thema der Legionellen-Prophylaxe für den Flächenbereich, da der Inhalt der Trinkwarmwassernetze jeweils weniger als 3 Liter beträgt. Das Trinkwarmwasser wird an den Zapfstellen mit ca. +45°C zur Verfügung gestellt. Im Bereich der Küche wird eine zentrale Trinkwassererwärmung (Frischwasserstation mit Heizungspuffer) vorgesehen.

 

Gewerk Heizung

Gemäß den Wettbewerbsvorgaben wird die Wärmeerzeugung über zwei Brennwert-Gaskessel mit jeweils 210 kW Leistung geplant. Die zentral angeordnete Technikzentrale sorgt für gleichmäßige Verteilnetze und entsprechend niedrige Förderhöhen (und damit Energieverbräuche) der Umwälzpumpen. Die Wärmeübertragung findet in den außenliegenden Räumen (außer Mensa- und Aulabereich) über – im unteren Bereich der Fassade angeordnete – Heizkörper mit hohem Strahlungsanteil statt. Diese Heizkörper werden unauffällig im Bereich der Pfosten-Riegel-Fassade unterhalb der Fensterbänke platziert.

Über die Einzelraumregelung wird zeitgesteuert die Beheizung der Räume vorgenommen. Zudem können mögliche Fensterkontakte zur Abschaltung der Wärmezufuhr genutzt werden (Stoßlüftung in den Pausenzeiten). Damit in der Mensa, der Aula sowie in den Fluren eine Nutzungseinschränkung und Verletzungsgefahr maximal reduziert werden kann, werden diese Bereiche mit einer partiellen Deckenstrahlheizung ausgestattet – die Zuordnung der aktiven Zonen erfolgt immer zu den Bereichen mit Heizlast (Fassaden und ggf. Dachflächen). Mit dieser Art der Wärmeübertragung ist eine hohe Flexibilität in diesen Bereichen gewährleistet. In den Nebenräumen des Gebäudes kommen Fertigheizkörper mit Thermostatventilen zur Ausführung. Die Ventile werden als begrenzungsfähige Behördenmodelle vorgesehen.

 

Gewerk Lüftung

Die Klassenzimmer werden natürlich über Fenster be- und entlüftet (außer in Fachräumen mit Anforderungen an Be- und Entlüftung bzw. bestimmte Luftwechselzahlen). Durch motorisch öffenbare Fenster im oberen Bereich der Pfosten-Riegel-Fassade kann in den Nachtstunden bei entsprechenden Temperaturunterschieden im Sommer eine Nachtkühlung realisiert werden – hierfür stehen je nach Raum 30 bis 50% der Deckenfläche zur Verfügung, der Rest muss für die Akustik genutzt werden. Zwei separate Lüftungsgeräte versorgen die Bereiche Mensa SEK/Gymnasium sowie die Ausgabeküche mit Frischluft. Die Luftmengen orientieren sich an der Anzahl der Sitzplätze in der Mensa sowie an den technischen Geräten im Küchenbereich.

  

Gewerk Elektro

Die gesamte Beleuchtungstechnik (bis auf untergeordnete Nebenräume) wird mit energiesparender LED-Technik ausgestattet. Diese Technik verbindet eine lange Lebensdauer (reduzierter Wartungsaufwand) mit niedrigem Verbrauch (geringe laufende Kosten). In den Klassenzimmern wird ein besonderer Wert auf die Ausnutzung der natürlichen Belichtung gelegt – großzügige Fensterflächen in Kombination mit einem außenliegenden, beweglichen Sonnenschutz, welcher je nach Bedarf geregelt oder manuell betrieben werden kann.